gedenkfeier

[Hamburg*. Freitag Abend.]

[kneteeis:] „So, jetzt ist die Torte für morgen fertig. Kommst Du mit, um sie abzuholen?“

[folienstern:] „Klar! Wie bewahren wir die Torte denn dann auf?“

[kneteeis:] „Sie soll kalt stehen, sagt die Konditorin. Aber in den Keller möchte ich sie nicht stellen, weil ich Sorge habe, dass dann irgendwelche Tiere kommen.“

[folienstern:] „So warm ist es doch in der Wohnung nicht – vielleicht können wir sie in der Küche stehen lassen?“

[kneteeis:] „Ja, vielleicht ist das am einfachsten.“

[Etwas später. kneteeis und folienstern haben die Torte von einige Häuser weiter zu Fuß auf einer schweren Unterplatte zu kneteeis nach Haus geschleppt und sind fast an der Haustür.]

[folienstern:] „Vorsicht, sie rutscht!“

[Konditorin, die zur Sicherheit mitgegangen ist:] „Naja, das ist ja Buttercrème. Das rutscht natürlich. Und wenn sie warm wird, wird sie halt weich.“

[kneteeis:] „Dann ist das mit dem Draußenstehenlassen vielleicht doch keine gute Idee. Sollen wir doch versuchen, ob sie in den Kühlschrank passt?“

[folienstern:] „Wir können sie ja vielleicht direkt auf ein Kühlschrankbrett stellen! Dann nehmen wir aber den Einhänger aus der Tür ab, sonst merken wir beim Reinschieben, dass wir nicht um die Kurve kommen.“

[Konditorin:] „An so etwas denken auch nur Mütter…“

[kneteeis und folienstern bugsieren die Torte auf ein Kühlschrankeinlegebrett und in den Kühlschrank.]

[Konditorin:] „Ihr müsst dann noch einmal ansagen, dass man alles essen kann – außer den Holzspießchen, mit denen die Blätter zusammengesteckt sind, natürlich.“

[GJ:] „Auch die Blüten?“

[Konditorin:] „Auch die Blüten. Die sind aus Esspapier, aber frisiert.“


[Hamburg. Freitag Abend.]

[folienstern:] „Hast Du noch Fotos von Mami aus den 70er oder 80er Jahren? Die fehlen mir noch in der Präsentation für morgen.“

[kneteeis:] „Guck‘ doch mal in meinen Kinderbilder-Fotoalben.“

[folienstern blättert:] „Das hier nehme ich noch. Und das. Und das hier habe ich leider nicht mitgebracht aus Berlin – kannst Du das noch einmal vom Computer abfotografieren?“


[Hamburg. Samstag Morgen.]

[GJ:] „Mist. Jetzt habe ich mich beim Sudoku vertan!“

[kneteeis:] „Ach, wie doof. Vielleicht können wir Opi nachher fragen, ob er das Sudoku noch nicht angefangen hat? Dann können wir es von ihm mitnehmen und Du kannst noch einmal von vorne anfangen.“

[GJ:] „Was macht denn der Papa vom großen und vom kleinen Mädchen und vom kleinen Jungen da?“

[Vater:] „Sudoku.“

[GJ:] „Das geht auch auf dem ipad? Mami, können wir die App auch haben?“

[kneteeis:] „Die kann ich später suchen. Aber wir fragen auch Opi, ob er die Zeitung noch hat, okay?“

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Sudoku. Vertan.

[Hamburg. Samstag am späten Vormittag. Im Elternhaus von kneteeis und folienstern.]

[folienstern:] „Ich habe oben im Flur noch alte Tagebücher und Fotoalben von Mami hingelegt, falls jemand das angucken möchte.“

[kneteeis:] „Klasse!“

[Opi:] „Und auf dem Tisch im Flur unten liegt das Lexikon, das Omi herausgegeben hat.“

[kneteeis:] „Daneben können wir ja die Torte stellen, dann sehen alle sie gleich beim Reinkommen.“

[Opi:] „Wo bleibt bloß der Caterer? Die wollten eigentlich um 10 Uhr hier sein.“

[kneteeis:] „Ich rufe mal an…“

[GJ:] „Opi? Hast Du noch das Sudoku aus der Zeitung von heute früh?“

[Opi:] „Das habe ich angefangen, aber dann habe ich mich vertan.“

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Tagebücher & Fotoalben von der Mutter von kneteeis & folienstern.

[Hamburg. Samstag Abend. Wieder zuhause bei kneteeis.]

[kneteeis:] „Uff. Ich glaube, so viele Leute hatten wir noch nie bei einer Feier.“

[folienstern:] „Und aus so vielen verschiedenen Ecken.“

[kneteeis:] „Ja. Und ich fand’s gut, dass auch so viele miteinander gesprochen haben, die sich vorher gar nicht kannten.“

[folienstern:] „Das war ja früher auch immer so. Überhaupt fühlte es sich eigentlich so an, wie die Feiern früher auch, obwohl Mami nicht dabei war.“

[kneteeis:] „Hattest Du das anders erwartet?“

[folienstern:] „Das weiß ich gar nicht…“

[kneteeis:] „Und die Torte war auch toll.“

[folienstern:] „Ja. Und die meisten Sachen vom Buffet auch. Vor allem das Bobootie**, das wir selbst gemacht haben.“

[kneteeis:] „Und in den Büchern haben auch viele Leute geblättert.“

[folienstern:] „Ja. Nur schade, dass nicht so viele noch Erinnerungen aufgeschrieben haben.“

[kneteeis:] „So, jetzt ist alles aufgeräumt.“

[folienstern:] „Dann können wir uns ja jetzt aufmachen – der kleine Junge steht schon in den Startlöchern.“


[Hamburg. Sonntag Morgen.]

[folienstern:] „Wir fahren dann gleich los zu unseren Freunden, damit Ihr in Ruhe packen könnt.“

[kneteeis:] „Prima, das hilft uns sehr.“

[folienstern:] „Ich trinke nur noch eben aus, dann können wir los.“

[kneteeis:] „Vorsicht, der kleine Junge schenkt sich gerade Orangensaft ein… – Oh, das klappt ja schon richtig gu-…“

[GM:] „Kleiner Junge! Du hast daneben gegossen!“

[folienstern:] „Auf die Hose, die ich heute morgen neu angezogen habe! Und auf seinen frischen Body!“

[KM:] „Das hat der kleine Junge aber nicht mit Absicht gemacht!“

[kneteeis:] „Ich wollte sowieso noch eine Wäsche machen. Da stecke ich Eure Sachen nachher einfach mit rein.“

[folienstern:] „Okay, danke. Und ich fege nachher noch die Bügelperlen auf, die der kleine Junge gestern runtergeschmissen hat.“

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Nicht mit Absicht.

[Hamburg. Sonntag Abend.]

[folienstern:] „So, jetzt habe ich die Bügelperlen wieder aufgefegt. Bis auf einige wenige. Die könnt Ihr vielleicht noch mit den Händen aufsammeln.“

[kneteeis:] „Danke. Kein Problem.“

[GJ:] „Guck‘ mal! Jetzt fegt der kleine Junge den Rest auch noch auf!“


* Für diejenigen, die unserem Blog nicht regelmäßig folgen: Der große Junge (GJ) lebt mit seiner Mutter (kneteeis) in Hamburg; das große Mädchen (GM) und das kleine Mädchen (KM) leben mit dem kleinen Jungen (KJ), ihrer Mutter (folienstern) und ihrem Vater in Berlin. An diesem Wochenende sind die Berliner zur Gedenkfeier für unsere im vergangenen Sommer verstorbene Mutter in Hamburg zu Besuch. Alle Projekte, Produkte oder Veranstaltungen, die wir namentlich nennen oder verlinken, erwähnen wir, weil wir sie gut finden; wir erhalten dafür keinerlei materielle Vorteile.

** Ein südafrikanischer Hackfleischauflauf mit Curry, Kurkuma, getrockneten Früchten, Rosinen und Mandeln – die Berliner haben das vor einigen Wochen schon einmal gekocht.

… und wie immer gibt es weitere Wochenendblogs mit mehr und weniger Bildern heute Abend ab etwa 21 Uhr bei Susanne Mierau in ihren Blog ‚Geborgen Wachsen‘.

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