dominus providebit

[Berlin*. Samstagmorgen, 7.00]

[Vater:] „Guckt mal aus dem Fenster!“

[GM:] „Es schneit!!“

[KM:] „Komm, wir gehen raus!“

Schnee!

[GM:] “Heute müssen wir Bella und Emil beerdigen.”

[Die Kaninchen waren ausgerechnet an Nikolaus in ihrem Stall von einem unbekannten Tier gerissen worden. Weil folienstern auf Dienstreisen war, musste die Beerdigung verschoben werden.]

[folienstern:] “Ja, genau. Nach dem Frühstück?”

[GM:] “Ja.”

[Nach dem Frühstück. GM:] “Komm, kleines Mädchen, wir wollen Bella und Emil beerdigen.”

[KM:] “Nö. Ich war schon draußen.”

[KJ:] “Au will.”

[folienstern:] “Komm, großes Mädchen, dann machen wir das mit dem kleinen Jungen.”

[Im Garten. folienstern:] “Meinst Du, hier wäre gut, so am Zaun?”

[GM:] “Ja, dann läuft keiner drüber.”

[folienstern:] “Dann müssen wir jetzt ein Loch graben.”

[folienstern und großes Mädchen graben ein Loch.]

[folienstern:] “Willst Du die Kiste holen?.”

[GM:] “Ich trau‘ mich doch nicht.”

[folienstern:] “Dann hol‘ ich sie. Willst Du sie ein bisschen tragen?”

[GM:] “Ja, tragen ist okay.”

[folienstern:] “Oh, guck‘, wir müssen das Loch noch etwas größer machen. So, jetzt passt es.”

[GM:] “Mach nochmal auf. Ich will Bella und Emil nochmal sehen. Und Heu reintun. So, jetzt können wir zumachen. Und Erde drauftun.”

[Nachdem das Grab zugeschüttet ist. GM:] “Jetzt hole ich noch das Schild und Steine, damit wir das Grab markieren können. Damit alle wissen wo das ist und keiner drüber läuft.Aber am schönsten wäre es, wenn sie noch leben würden.”

[folienstern:] “Ja, das ist wirklich doof, was passiert ist, nicht?”


[Berlin. Samstagvormittag.]

[folienstern:] “Wollt Ihr ein Weihnachtsgeschenk auspacken?”

[KM, GM:] “Au ja!”

[folienstern:] “Hier, guckt mal.”

[KM, GM:] “Oh, das sind so Nähkarten. Vier für jeden und eine für den kleinen Jungen. Der kriegt die Prinzessin. Können wir das gleich machen?”

[folienstern:] “Ja, klar. Wir holen mal Stopfwolle.”


[Hamburg. Samstagvormittag.]

[GJ:] „Mami? Ich habe überhaupt keine Lust, zum Judoturnier zu gehen.“

[kneteeis:] „Nee? Du hattest doch vorgestern gesagt, dass Du unbedingt hingehen wolltest?“

[GJ:] „Ja, ich weiß. Da ist ein Teil in meinem Kopf, der sagt, dass ich hingehen will, weil ich einen Schuko-Nikolaus haben möchte. Und dann ist da ein anderer Teil, der sagt, dass ich nicht hingehen will, weil manche der Jungs so ruppig sind, wenn sie kämpfen.“

[kneteeis:] „Ach so. Und darauf hast Du keine Lust?“

[GJ:] „Nein, davor habe ich Angst.“

[kneteeis:] „Angst? Oder ist Dir eher etwas mulmig?“

[GJ:] „Egal – jedenfalls möchte ich nicht hingehen.“

[kneteeis:] „Und wenn Du noch einmal mit dem anderen Teil in Deinem Kopf sprichst?“

[GJ:] „Die haben ja miteinander gesprochen, und der zweite Teil hat gewonnen. Deshalb will ich nicht gehen.“

[Einige Zeit später, nach einer längeren Diskussion über Entscheidungen, Versprechen, Ängste, Mut und den Spaß am Lernen. kneteeis:] „Und wie wäre es, wenn ich Dir verspreche, Dir noch einen Schoko-Nikolaus zu kaufen, wenn Du zum Turnier gehst?“

[GJ:] „Echt? Einen ganz großen? So groß, wie ich will?“

[kneteeis:] „Den größten, den Du finden kannst.“

[GJ:] „Ich bespreche das mal in meinem Kopf.“


[Hamburg. Sonntagmorgen.]

[GJ:] „Darf ich auf dem U-Bahnsteig bis nach hinten laufen?“

[kneteeis:] „Meinetwegen. Wenn Du wieder zurück bist, wenn die U-Bahn kommt?“

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Ganz hinten.

[Kurz darauf am Hauptbahnhof. kneteeis:] „Möchtest Du noch etwas zu essen?“

[GJ:] „Ja. Einen Cookie. Und ein Wasser.“

[kneteeis:] „Okay.“

[Kurz darauf im Zug. kneteeis:] „Wie? Das ist alles, was vom Cookie noch übrig ist?“

[Etwas später im Dom zu Lübeck.]

[GJ:] „Da brennen ja vier Kerzen auf dem Altar! Dabei ist doch erst zweiter Advent!“

[kneteeis:] „Ich glaube, die brennen immer. Der Adventskranz hängt da oben, und da brennen nur zwei Kerzen.“

[Etwas später. Pastorin:] „Möchtest Du mitkommen zum Kindergottesdienst?“

[GJ:] „Nein.“

[Kurz darauf. Kindergottesdienstmitarbeiterin:] „Und? Möchtest Du mitkommen zum Kindergottesdienst?“

[GJ:] „Nein.“

[Nach dem Gottesdienst bei einem Empfang im Ostchor des Doms.]

[folienstern:] „Ich brauche jetzt erst einmal etwas Warmes. Hmmm… – Die Suppe sieht lecker aus!“

[kneteeis:] „Oh ja! Gibst Du mir davon auch eine Tasse? Ich habe gerade alle Hände voll.“

[GJ:] „Mir auch, bitte?“

[folienstern verteilt Suppe an alle.]

[Etwas später. kneteeis:] „Jetzt gucke ich noch nach einem Brötchen. Großer Junge, möchtest Du auch noch eins?“

[GJ:] „Da gibt es auch welche mit Salzbrezeln!“

[kneteeis:] „Nimm‘ Dir einen Teller.“

[GJ:] „Nein. Das nehme ich auf die Hand.“


[Etwas später in der Innenstadt.]

[folienstern:] „Da ist Niederegger. Da musst Du ein Foto machen!“

[kneteeis:] „Und Marzipan kaufen?“

[folienstern:] „Nee – da gucke ich nachher am Bahnhof, da ist es nicht so voll.“

[kneteeis:] „Ich möchte jetzt zum Buddenbrookhaus.“

[folienstern:] „Wirklich? Haben wir dafür genug Zeit?“

[kneteeis:] „Ich denke schon, da gibt’s doch vor allem Räume, oder?“

[Opi:] „Oder ins Hansemuseum?“

[folienstern:] „Dafür braucht man definitiv 3-4 Stunden, das lohnt sich jetzt nicht.“

[Kurz darauf am Buddenbrookhaus. kneteeis:] „Oh, guck‘ mal! Der Fußabtreter! So einen möchte ich nachher unbedingt kaufen.“

[folienstern:] „Oh ja, ich auch!“

[Etwas später in der Ausstellung. kneteeis:] „Hm, hier ist ja doch ziemlich viel zu lesen – dafür bräuchte man eigentlich sehr viel mehr Zeit.“

[folienstern:] „So ähnlich hatte ich das auch in Erinnerung.“

[Opi:] „Kommt, wir gehen in den zweiten Stock, da sind die eingerichteten Zimmer.“

[GJ:] „Guckt mal hier! Ein Klavier!“

[kneteeis:] „Oh ja, das soll das Harmonium sein, das Hanno Buddenbrook zu Weihnachten bekommen hat. Und daneben steht, auf welcher Seite im Roman man die Szene dazu lesen kann – warte, ich hole uns mal ein Buch.“

[Beide lesen aus der Weihnachtsszene in den Buddenbrooks.]

[Etwas später. kneteeis:] „Puh, das ist mir zu viel Information hier – ich glaube, das schaffe ich heute nicht mehr.“

[folienstern:] „Ja, da steht einfach zu viel. Und gleichzeitig habe ich aber auch nichts gelesen, was ich nicht irgendwo schon einmal gelesen hatte.“

[kneteeis:] „Selbst die Tondokumente hier sind irgendwie schwierig aus dem Zusammenhang zu hören.“

[GJ:] „Ich habe schon mal alle Aufnahmen angemacht – da kann man jetzt alles gleichzeitig anhören, auch auf Französisch und Englisch.“

[kneteeis:] „Das schaffe ich auch nicht mehr.“

[folienstern:] „Dann gucken wir noch über den Weihnachtsmarkt, ja?“

[Opi:] „Vielleicht da drüben im Märchenwald?“

[GJ:] „Guckt mal hier! Da ist der Froschkönig!“

[folienstern:] „Oh, und da ist Pippi Langstrumpf.“

[kneteeis:] „Das Märchen kenne ich gar nicht.“

[GJ:] „Und da ist eine Krippe!“

[kneteeis:] „Aus welchem Märchen ist das denn?“


[Hamburg. Sonntagabend.]

[kneteeis:] „Wollen wir unsere neue Fußmatte jetzt gleich hinlegen? Oder wollen wir uns die zu Weihnachten schenken?“

[GJ:] „Jetzt gleich. Ich räume gleich mal die alte weg. Ach nein, warte: Wir putzen uns erst noch an der alten die Schuhe ab, und dann legen wir die neue hin.“

[kneteeis:] „Okay. Du darfst sie hinlegen.“

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Dominus Providebit.

* Für diejenigen, die unserem Blog nicht regelmäßig folgen: Der große Junge (GJ) lebt mit seiner Mutter (kneteeis) in Hamburg; das große Mädchen (GM) und das kleine Mädchen (KM) leben mit dem kleinen Jungen (KJ), ihrer Mutter (folienstern) und ihrem Vater in Berlin. An diesem zweiten Adventssonntag waren folienstern, kneteeis, ihr Vater – der Opi der Kinder – und der große Junge in Lübeck unterwegs. Alle Projekte, Produkte oder Veranstaltungen, die wir namentlich nennen oder verlinken, erwähnen wir, weil wir sie gut finden; wir erhalten dafür keinerlei materielle Vorteile.

… wie immer gibt es weitere Wochenendblogs mit mehr und weniger Bildern heute Abend ab etwa 21 Uhr bei Susanne Mierau in ihren Blog ‚Geborgen Wachsen‘.

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