verhäkelt & verwettet

[Hamburg. Samstag Vormittag. Der große Junge steht in seinem Zimmer:] „Mami, heute möchte ich Playmobil aufbauen.“

[Mutter:] „Ja, klar. Mach‘ doch!“

[GJ:] „Aber vorher brauche ich das Telefon!“

[Mutter:] „Wieso das denn?“

[GJ:] „Damit ich ein Foto von meiner Brio-Landschaft machen kann.“

[Mutter:] „Ach so. Klar.“

[GJ:] „Mist – ein Foto reicht nicht. Das ist zu breit. Ich muss einen Film machen.“


[Hamburg. Etwas später beim Einkaufen in der Handarbeitsabteilung.]

[GJ:] „Ich möchte häkeln“

[Mutter:] „Häkeln?!“

[GJ:] „Ja, wieso nicht?“

[Mutter:] „Was willst Du denn häkeln?“

[GJ:] „Eine Mütze.“

[Mutter:] „Aha? Wie kommst Du denn darauf?“

[GJ:] „Das habe ich bei der Jungs-WG bei ZDF tivi gesehen. Da hat einer auch eine Mütze gehäkelt.“

[Mutter:] „Na gut, dann kaufen wir Wolle und eine Häkelnadel. Aber ich glaube, ich muss erst einmal selbst wieder rausfinden, wie das eigentlich geht. Dann kann ich’s Dir zeigen.“

[GJ am Woll-Regal:] „Hier! Diese Farbe möchte ich!“


[Hamburg. Samstag Nachmittag.]

[Mutter:] „Ha! Jetzt habe ich ein Video gefunden, in dem erklärt wird, wie man eine Mütze häkelt. Ich fange mal an, ja?“

[GJ:] „Oh, das sieht schon gut aus!“

[Mutter häkelt mehr oder minder nach Vorlage einige Runden:] „Hm. Jetzt sieht es nicht mehr so gut aus.“

[GJ:] „Zeig‘ mal her. Oh je – das sieht eher aus wie ein schiefer Topflappen. Und es fühlt sich auch nicht an wie eine Mütze.“

[Mutter:] „Ich glaube, ich weiß, wo ich den Fehler gemacht habe. Ich mache die letzten Runden noch einmal auf und fange von da noch einmal an.“


[Hamburg. Sonntag Vormittag. Es scheppert im Zimmer des großen Jungen.]

[Mutter:] „Oh je – was war das?“

[GJ:] „Das war die Kleinteilekiste von Playmobil. Die ist runtergefallen.“

[Mutter:] „Ach Du liebe Güte!“

[GJ:] „Du musst nicht: ‚Ach Du liebe Güte!‘ sagen. Es ist zwar doof, dass die ausgekippt ist, aber so finde ich noch ein paar Sachen, die ich sowieso gesucht habe.“

[Etwas später. Es kracht in der Küche.]

[Mutter:] „Oh je!“

[GJ, aus seinem Zimmer rufend:] „Was war das denn?“

[Mutter:] „Mir ist Dein Überraschungsei-Weihnachtsmann aus dem Schrank gefallen. Jetzt ist er ziemlich zerbrochen.“

[GJ:] „Ach so.“


[Berlin. Sonntagmittag. Der Vater, das große und das kleine Mädchen kommen von der Musicalaufführung des großen Mädchens zurück.]

[GM:] „Was gibt’s zu essen?“

[Mutter:] „Gemüsepfanne mit Glasnudeln.“

[GM:] „Oh ja, ich möchte noch mehr!“ [Lädt sich den Teller voll.]

[KM:] „Ihh, Gemüsepfanne. Will ich nicht.“

[Mutter:] „Du kannst es ja mal probieren.“

[GM:] „Ich hole mir Stäbchen, wie Papa.“

[KM:] „Ich will auch solche Stäbchen wie das große Mädchen haben!“

[Mutter holt Stäbchen.]

[Das kleine Mädchen fängt an, mit den Stäbchen zu essen.]

[Vater:] „Woher kannst Du denn mit Stäbchen essen?“

[KM:] „Kann ich doch gar nicht. Jedenfalls nicht so gut. Außerdem möchte ich solche Stäbchen wie Papa.“

[Mutter:] „Ich dachte, Du wolltest solche wie das große Mädchen?“

[KM:] „Nein, so eine Art. Aber nicht genau so welche. Sondern so wie Papa.“

[Das große Mädchen gibt nach Dreiviertel des Tellers auf:] „Ich glaube, bei diesem Essen waren meine Augen hungriger als mein Magen.“


[Berlin. Nach dem Mittagessen gehen die Mutter, das große und das kleine Mädchen ins Kino und schauen Timm Thaler an.]

[KM, während der Vorstellung:] „Mama, das ist mir viel zu unheimlich. Ich gucke mir nie wieder Timm Thaler an!“

[Mutter:] „Das tut mir leid. Das dachte ich nicht, dass es so gruselig wird.“

[Nach der Vorstellung. Mutter:] „Großes Mädchen, wie fandest Du es denn?“

[GM:] „Gut. Und gruselig. Mama?“

[Mutter:] „Ja?“

[GM:] „Guck‘ mal auf die Uhr.“

[Mutter guckt auf die Uhr.] „Ja?“

[GM:] „Ich wette mit Dir um 5 Cent, dass ich jetzt eine Minute nicht lache!“

[Das große Mädchen gewinnt die Wette. Vorsichtshalber werden die nächsten fünf Wetten um Küsse auf die Nase und ähnliches geschlossen.]


[Hamburg. Sonntag Abend. Der große Junge kommt von einem Kindergeburtstag zurück.]

[Mutter:] „Ach, wie toll, dass Du mit der Mutter von der anderen Freundin zurückgekommen bist. In der Zwischenzeit konnte ich die Mütze fast fertig machen. Du musst bitte nur noch einmal probieren, ob es jetzt passt.“

[Der große Junge probiert die Mütze auf:] „Ich glaube, gleich ist sie fertig. Jetzt fühlt es sich auch an wie eine Mütze.“

[Mutter:] „Prima. Dann mache ich noch eine Runde, und dann ist sie fertig.“

[Die Mutter häkelt die Mütze fertig:] „So! Probieren, und dann ein Foto – eins mit Gesicht zum Aufheben und eins von hinten für den Blog.“

[Der große Junge posiert wie geheißen:] „Jetzt könntest Du eigentlich noch einen Bommel dranmachen. Dann hätte ich eine Bommelmütze!“

[Mutter:] „Ja, das stimmt. Aber heute Abend nicht mehr.“


… und wie immer gibt es weitere Wochenendblogs mit mehr und weniger Bildern bei Susanne Mierau in ihren Blog ‚Geborgen Wachsen‘.

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