ein toast für hamlet

am

[Kopenhagen*. Freitagabend.]

[kneteeis:] „Ach nee – irgendetwas ist mit unseren Karten für das Ballett heute abend wegen des Corona-Virus. Kannst Du das mal übersetzen?“

[Freundin:] „Moment… – Das Theater hat jede zweite Buchung storniert, damit der Zuschauerraum nicht so voll ist. Und unsere Buchungen gehören zu denen, die storniert wurden.“[kneteeis, GJ:] „Was?! Das ist ja gemein! Was machen wir jetzt?“

[Freundin:] „Ich würde sagen, wir fahren hin und gucken, ob wir doch irgendwie reinkommen. Vielleicht kommen ja manche nicht, die noch gültige Karten gehabt hätten.“

[Deutlich später im ‚Det Kongelike Teater‘. Saaldiener:] „So: Wieviele sind jetzt hier, die Karten gehabt hätten und noch rein wollen? Ah, so ungefähr 9 Leute. Okay. Ihr könnt alle reingehen, aber Ihr müsst Euch so setzen, dass zwischen zwei Personen immer ein Platz frei ist.“

[kneteeis:] „Auch zwischen mir und meinem Sohn?“

[Saaldiener:] „Leider ja.“


[Berlin. Samstagmorgen.]

[GM:] „Hmmm – ich liebe das, Cheddar und weißen Toast! So lecker!“

[folienstern:] „Mhm. Solltest Du nur möglichst viele andere Farben zu essen, Paprika oder so. Sonst ist das zu einseitig – da ist neulich ein Junge in England von blind geworden.“

[GM:] „Echt? Dann esse ich mal Paprika. Haben wir auch gelbe? Ich will alles mit gelb essen.“

[folienstern:] „Nee, sorry, nur rote!“

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Weiß und gelb.

[KJ:] „Mama, kannst Du mir das Mundtuch dranmachen, bitte?“

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Mundtuch.

[KM:] „Mama, Papa, fragt mich mal was zu Deutschland!“

[Vater:] „Was ist die Hauptstadt von Bayern?“

[KM:] „Was anderes! Hauptstädte hatten wir noch nicht.“

[Vater:] „Wie viele Bundesländer gibt es und wie heißen sie?“

[GM:] „16!“

[KM:] „Also: Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern … Hilf mir mal!“

[folienstern:] „Was mit S?“

[KM:] „Saarland!“

[Vater:] „Hier, Ihr könnt mal auf der Deutschlandkarte gucken!“

[GM, KM:] „Au ja! Komm, wir spielen Schule!“

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Schule.

[folienstern:] „Kleiner Junge, räumst Du bitte noch das Lego auf?“

[KJ:] „Später doch!“

[folienstern:] „Nee, jetzt.“

[KJ:] „Aber nicht alleine!“

[folienstern:] „Ich helfe Dir.“

[KJ:] „Ich mach einen bunten Turm! Guck mal, ein Doppeldeckerauto!“


[Helsingør. Samstagvormittag.]

[kneteeis:] „Wow, was für ein tolles Schloss. Und was für herrliches Wetter.“

[Freundin:] „Ich kaufe die Eintrittskarten. Ihr könnt mich dann nachher zum Mittagessen einladen.“

[Kurz darauf. Freundin:] „Wir haben Glück! Es gibt gleich eine Führung ‚Auf Hamlets Spuren‘. Da zeigt uns Horatio das Schloss!“

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Kronborg.

[Etwas später.]

[GJ:] „Das war gar nicht schlecht. Er hat die Geschichte jedenfalls richtig erzählt. Aber jetzt möchte ich mir das Schloss alleine mit Dir ansehen, Mama. Ohne unsere Freundin.“

[kneteeis:] „Aha. Was hältst Du davon, wenn wir alle erst einmal etwas essen gehen?“

[Kurz darauf im Restaurant. GJ:] „Hier gibt es nur diese doofen belegten Brote. Warum essen die Dänen immer belegte Brote? Und nie etwas richtiges? Etwas warmes mit Kartoffeln oder so? Ich esse nichts. Ich lese lieber den Schlossführer und trinke nur heiße Schokolade.“

[kneteeis:] „Ich nehme den Labskaus auf die Art, wie er zu Hamlets Zeiten gemacht wurde. Mal gucken, ob der anders ist als in Hamburg.“

[GJ:] „Hier! Das ist mein neues Lieblingszitat: ‚Nein, nein! Der Trank, der Trank! O, lieber Hamlet! Der Trank, der Trank! Ich bin vergiftet!'“

[kneteeis:] „Und mein Lieblingszitat ist das aus der gleichen Szene: ‚Lasst die Pauke zu der Trompete sprechen, die Trompete zum Kanonier hinaus, zum Himmel das Geschütz, den Himmel zur Erde: Jetzt trinkt der König Hamlet zu!'“

[Kurz darauf. GJ:] „Boah, das sieht lecker aus. Darf ich davon auch essen?“


[Berlin. Samstagmittag.]

[Vater:] „Mittag!“

[GM:] „Schon wieder Suppe?“

[Vater:] „Ja. Aber Du kannst sie Dir selber zusammenstellen. Oder eine Stulle machen.“


[Berlin. Samstagnachmittag. KJ:] „Hülfe! Hülfe! Mein linkes Bein steckt fest!“

[folienstern:] „Oh weh! Ich helfe Dir!“

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Festgeklemmt.

[Helsingør. Samstagnachmittag.]

[GJ:] „Hier ist ein Plan. Da können wir noch einmal gucken, was wir uns alles ansehen wollen.“

[kneteeis:] „Und hier ist eine Erinnerungstafel für Hamlet!“

[Etwas später.]

[GJ:] „Das sind die längsten und dunkelsten Katakomben, die ich je gesehen habe.“

[Freundin:] „Kein Wunder, dass sich der Geist von Hamlets Vater hier wohl gefühlt hat.“

[Noch etwas später. kneteeis:] „Hier sind die Wappen aller Länder, über die die dänischen Könige geherrscht haben!“

[Noch etwas später. Freundin:] „Und hier sind Bilder von Hamlet-Aufführungen, die hier stattgefunden haben! Hier zum Beispiel Laurence Olivier und Vivian Leigh!“

[kneteeis:] „Oh ja! Und da Gustaf Gründgens! Großer Junge, der war auch mal Intendant am Schauspielhaus in Hamburg.“

[Später am Nachmittag.]

[Freundin:] „Sollen wir jetzt noch ganz kurz in das Haus von Karen Blixen fahren, nachdem wir gestern schon das Ballett gesehen haben?“

[kneteeis, GJ:] „Ja!“

[Etwas später. GJ:] „Guck‘ mal! Da ist der Hut, den Karen Blixen im Ballett auch aufhatte. Und die Kulisse war genau wie das Wohnzimmer! Und da im Garten: Die Brücke ist genau die Brücke, die im Ballett auch vorkam!“


[Berlin. Samstagabend.]

[folienstern:] „Puuuh – jetzt haben wir das Playmo zu 90% sortiert … Und die Kisten mit dem Bastelkram dafür.“

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Sortiert.

[Etwas später. KJ:] „Ich will auch weißen Toast!“

[GM:] „Na gut. Aber eigentlich war das meiner.“

[KJ:] „Ich tu‘ mir Pudding drauf!“

[folienstern:] „Brrrrr!“

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Puddingtoast.

[KJ:] „Spielst Du mit mir?“

[GM:] „Aber nur ein paar Runden!“

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Spiel.

[Kopenhagen. Samstagabend.]

[Freundin:] „Was haltet Ihr von Spaghetti mit Räucherlachs und Sahnesauce?“

[GJ:] „Das mag ich! Das gibt es in der Schule auch manchmal! Darf ich mitkochen?“

[Freundin:] „Klar. Du kannst die Frühlingszwiebeln schneiden. Und den Lachs.“

[kneteeis:] „Und ich?“

[GJ:] „Du darfst den Tisch decken.“


[Berlin. Sonntagmorgen.]

[folienstern:] „Gerade noch geschafft – gleich kommt der Zug mit dem Besuch!“

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Der Zug kommt.

[Kopenhagen. Sonntagmorgen.]

[GJ:] „Machen wir für die Fahrt noch Tee in der neuen Flasche für kalten Tee?“

[kneteeis:] „Klar!“

[GJ:] „Und wir müssen ein Foto machen für den Blog, damit alle sehen, wie praktisch das ist!“

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Cold Brew Tea.

[Berlin. Sonntagmittag.]

[GM:] „Und jetzt der Nachtisch! Jedes Kind darf eine Verpackung aufmachen!“

[folienstern:] „Wie praktisch, dass der Besuch den Nachtisch in genau drei Tüten mitgebracht hat!“

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Nachtisch.

[folienstern:] „Boah, das sieht aber alles lecker aus! Soll ich alles durchschneiden? Dann können alle von allem probieren.“

[KM:] „Aber ich möchte Schoko!“


[Irgendwo zwischen Kopenhagen und Hamburg. Sonntagnachmittag.]

[kneteeis:] „Großer Junge! Wir fahren wieder über’s Meer!“

[GJ:] „Ich weiß. Das war auf der Hinfahrt auch schon da…“

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Meer.

* Für diejenigen, die unserem Blog nicht regelmäßig folgen: Der große Junge (GJ) lebt mit seiner Mutter (kneteeis) in Hamburg; das große Mädchen (GM) und das kleine Mädchen (KM) leben mit dem kleinen Jungen (KJ), ihrer Mutter (folienstern) und ihrem Vater in Berlin. Die Hamburger sind in dieser Woche ferienhalber ein paar Tage in Kopenhagen zu Besuch bei einer Freundin. Alle Projekte, Produkte oder Veranstaltungen, die wir namentlich nennen oder verlinken, erwähnen wir, weil wir sie gut finden; wir erhalten dafür keinerlei materielle Vorteile.

… weitere Wochenendblogs mit mehr und weniger Bildern gibt es jede Woche bei grossekoepfe.de.

Wir sind übrigens auch auf Instagram – natürlich als @nichtmitabsicht.

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