entdeckertouren & erde putzen

[Hamburg*. Samstagmorgen.]

[kneteeis:] „Können wir los zum Einkaufen?“

[GJ:] „Ich kann noch nicht. Ich muss noch das Deutsch-Arbeitsheft für das Au-Pair-Mädchen fertig machen.“

[kneteeis:] „Dauert das noch lange?“[GJ:] „Ich mache erstmal nur noch die Titelseite. Können wir dafür dann auch einen richtigen Ordner kaufen, damit man das besser umblättern kann?“

[kneteeis:] „Meinetwegen. Sollen wir von den Arbeitsblättern auch welche für den Blog fotografieren?“

[GJ:] „Nein. Die sind geheim. Sonst macht die noch jemand nach.“


[Berlin. Samstagmorgen.]

[GM:] „Guck mal, Mama, der kleine Junge kann die Gitarre schon richtig gut halten!“

[folienstern:] „Stimmt. Da kann er bald was vorspielen.“

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Music in the air.

[folienstern:] „Großes Mädchen, wenn wir heute ins Museum gehen – eher Deutsches Historisches Museum, oder DDR-Museum?“

[GM:] „Ist das Deutsche Historische das mit dem Puppenhaus?“

[folienstern:] „Ja.“

[GM:] „Dann das.“

[folienstern:] „Gut. Das ist praktischweise heute auch umsonst, wegen der Befreiung von Auschwitz. Kleines Mädchen, kommst Du mit?“

[KM:] „Nein. Ich bin müde. Ich will schlafen.“

[folienstern, GM, KJ und Besuch brechen auf.]

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Berlin-Friedrichstraße.

[Hamburg. Samstagmittag.]

[kneteeis:] „So, ich mache jetzt die Gemüsequiche. Machst Du mit?“

[GJ:] „Was kommt da rein?“

[kneteeis:] „Broccoli, Mohrrüben und Sellerie – das war alles in der Etepetete-Kiste.“

[GJ:] „Aber ich mag keinen Broccoli.“

[kneteeis:] „Wir legen das Gemüse einfach nebeneinander, dann kann jeder essen, was er mag.“

[GJ:] „Mag ich denn Sellerie?“

[kneteeis:] „Das kannst Du dann probieren. Kannst Du die Zwiebeln kleinhacken?“

[GJ:] „Okay.“


[Berlin. Samstagmittag.]

[folienstern:] „Guck mal, großes Mädchen, hier gibt’s eine Kinderrallye.“

[Museumswärterin:] „Ja, eine Entdeckertour fürs Mittelalter und eine fürs 20. Jahrhundert.“

[folienstern:] „Welche willst Du denn machen? Willst Du beide mal angucken?“

[GM:] „Am liebsten beide.“

[Museumswärterin:] „Die dauern ziemlich lange. Schon so zwei Stunden.“

[folienstern:] „Das schaffen wir heute nicht. Aber wir könnten beide Hefte mitnehmen, und Du machst dann nur die eine Tour heute, und die andere machen wir das nächste Mal.“

[GM:] „Okay. Aber erst will ich dann in die Sonderausstellungen.“

[Zwei Sonderausstellungen später. Besuch:] „Ich hab schon richtig Hunger.“

[GM:] „Ich auch.“

[folienstern:] „Dann essen wir lieber erstmal was.“

[Besuch:] „Ich nehm den Flammkuchen mit Artichoken.“

[GM:] „Dann nehm ich den Klassischen.“

[folienstern:] „Dann nehm ich den mit Birne und Speck. Der kleine Junge kann von allem was abhaben.“


[Hamburg. Samstagnachmittag.]

[GJ:] „Mami? Mir ist langweilig. Darf ich einen Film ansehen?“

[kneteeis:] „Nein.“

[GJ:] „Wieso nicht?“

[kneteeis:] „Weil ich nicht möchte, dass Du etwas an einem elektronischen Gerät machst, wenn Dir langweilig ist.“

[GJ:] „Ach Mann. Was soll ich denn machen?“

[kneteeis:] „Such‘ doch ein Spiel oder ein Puzzle.“

[GJ:] „Au ja! Ein Puzzle! Warte…“

[Kurz darauf. kneteeis:] „Oh, das große Puzzle mit der Kathedrale? Na, dann los…“

[GJ:] „Ich suche schon mal die Randstücke.“


[Berlin. Samstagnachmittag.]

[GM:] „Jetzt gehen wir auf Entdeckertour.“

[folienstern:] „Wo fängt das denn an?“

[KJ:] „Auto, Auto!“

[Besuch:] „Ja, das sind beides Autos. Ein Käfer und ein Trabi. Aber beides Autos.“

[GM:] „Guck mal, hier muss ich eintragen, wo wir wohnen. Und wo das lag. Und hier, wofür man die Sachen da gebraucht hat.“

[folienstern:] „Mhm. Klingt ganz schön spannend.“

[GM:] „Hm, hier soll ich unterstreichen, welche Parteien es noch gibt. Also SPD gibt’s noch. CSU auch. Und CDU. Und – LDP? Ne. Die nicht.“


[Berlin. Samstagnachmittag, später.]

[folienstern:] „Wollen wir noch einen Kaffee trinken? Hier gibt es so Tapas mit Berliner Gerichten und Kuchen.“

[GM:] „Da steht Berliner Luft. Was ist denn Berliner Luft?“

[Besuch:] „So Zitronencreme. Aufgeschlagen.“

[GM:] „Das möchte ich. Und was zu trinken.“

[folienstern:] „Hier gibt’s was mit Marshmellows.“

[GM:] „Auja.“

[Etwas später. GM:] „Oh, das sind ja wirklich extrem viele Marshmellows. Da kann der kleine Junge auch welche haben.“

[KJ:] „Auch!“


[Hamburg. Sonntagvormittag.]

[kneteeis beim Blättern im Internet:] „Wow, guck‘ mal hier! Die Brötchen sehen lecker aus!“

[GJ:] „Wow! Können wir die backen?“

[kneteeis:] „Jetzt?“

[GJ:] „Ja! Jetzt! Wie lange dauern die?“

[kneteeis:] „Die gehen schnell. Etwa eine Stunde insgesamt.“

[GJ:] „Haben wir Marmelade?“

[kneteeis:] „Ja, klar.“

[GJ:] „Dann machen wir jetzt die Brötchen, und zur Sendung mit der Maus bringst Du mir ein frisches Brötchen mit Marmelade.“

[kneteeis:] „Okay – dann los…“

[Etwas später beim Backen. kneteeis:] „So etwas finde ich ja toll im Internet, wenn man so auf ein Rezept stößt, weil irgendjemand darüber irgendwo geschrieben hat.“

[GJ:] „Von wem ist denn das Rezept?“

[kneteeis:] „Die Seite heißt ‚Herr Grün kocht‘, und da steht das Rezept drauf.“

[GJ:] „Und irgendjemand kennt Herrn Grün und Dich auch, und deshalb hast Du das jetzt gesehen. Oder irgendjemand kennt jemanden, der Herrn Grün kennt, und derjenige kennt Dich auch. Oder irgendjemand kennt jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt…“

[kneteeis:] „Genau. Ist das nicht toll?“

[GJ:] „Ja. Und was ist nicht so toll?“

[kneteeis:] „Naja, wenn zum Beispiel jemand sich über jemanden anders öffentlich beschwert, statt das, was ihn stört, demjenigen direkt zu sagen.“

[GJ:] „Wie meinst Du das?“

[kneteeis:] „Wenn zum Beispiel jemand sich darüber ärgert, dass jemand anders laut telefoniert. Und das dann ins Internet schreibt, statt denjenigen direkt anzusprechen,“

[GJ:] „Ach so. Das wäre ja so, als wenn mich einer schubst, und dann sage ich nicht dem, dass er mich nicht mehr schubsen soll, sondern ich stelle mich auf den Schulhof und schreie: ‚Der schubst!‘.

[kneteeis:] „Genau. So wäre das.“

[GJ:] „Spielen wir jetzt noch ein Spiel? Ich möchte Knätsel spielen!“

[kneteeis:] „Okay.“


[Hamburg. Sonntagmittag.]

[kneteeis:] „Wollen wir jetzt rausgehen? Die Sonne kommt gerade fast durch.“

[GJ:] „Au ja! Ich nehme meinen Roller mit.“

[kneteeis:] „Wollen wir zum Weiher?“

[GJ:] „Nee – lieber zu einem anderen Spielplatz.“

[kneteeis:] „Wir können ja am Kanal entlanggehen und dann zu dem Spielplatz neben der Kirche. Und später noch zu dem, wo wir neulich auf dem Weg zur Bücherhalle vorbeigekommen sind.“

[GJ:] „Au ja!“

[Etwas später unterwegs. kneteeis:] „Guck‘ mal! Da steht ein Elefant auf der Wiese!“

[GJ:] „Wo? Ach – ich dachte, das ist ein Hund!“

[Noch später auf dem Spielplatz. GJ:] „Weißt Du, wie die das Huhn da reinbekommen haben?“

[kneteeis:] „Hmmm… – Was meinst Du?“

[GJ:] „Die haben das erst in den Käfig gesteckt und dann den Käfig angeschraubt.“

[Auf dem Rückweg. GJ:] „Guck‘ mal, da steht ein Globus!“

[kneteeis:] „Oh ja – den hat wohl jemand weggestellt, weil er ihn nicht mehr braucht.“

[GJ:] „Können wir den mitnehmen? Bitte! Ich habe noch keinen eigenen Globus.“

[kneteeis:] „Meinetwegen. Es scheinen noch alle Länder drauf zu sein, und wir können gucken, ob die Beleuchtung noch funktioniert. Vielleicht braucht er eine neue Glühbirne. Und putzen müssen wir ihn sicherlich.“


[Berlin. Sonntagmittag.]

[Vater:] „Kommt Ihr Essen?“

[GM:] „Wo ist denn das Fleisch?“

[Vater:] „Kocht noch. Gibt’s heute abend.“

[GM:] „Menno. Das Gemüsezeug da will ich nicht essen.“

[folienstern:] „Dann musst Du Dir selber was kochen. Nudeln mit Pesto zum Beispiel.“

[GM:] „Ok, dann koch ich mir Nudeln mit Pesto. Hilfst Du mir, Mama?“

[folienstern:] „Hmpf. Erst, wenn ich aufgegessen haben. Wo ist eigentlich das kleine Mädchen?“

[Vater:] „Schläft.“


[Hamburg. Sonntagnachmittag.]

[GJ:] „Mami, darf ich einen Film ansehen? Mir ist auch nicht langweilig.“

[kneteeis:] „Wie bitte?“

[GJ:] „Mir ist nicht langweilig. Und ich möchte einen Film ansehen.“

[kneteeis:] „Kannst Du erst noch die Erde abwischen?“

[GJ:] „Wie bitte?“

[kneteeis:] „Den neuen Globus – der ist bestimmt etwas dreckig, weil er draußen gestanden hat. Umweltverschmutzung.“

[GJ:] „Ach so. Klar. Und wenn ich die Erde sauber gemacht habe, darf ich einen Film ansehen?“

[kneteeis:] „Ja, klar.“


[Vater:] „Wo ist denn…“

[folienstern:] „Schläft. Ich glaube, der hat Fieber.“

[Etwas später. folienstern:] „39.9 – ene mene muh- wer bleibt morgen zu Hause?“

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[Berlin. Sonntagabend.]

[GM:] „Warum habt Ihr mir die Sauce denn nicht zum Fleisch gegeben? Die ist voll lecker.“

[KM:] „Und das Gemüse ist auch voll lecker. Musst Du nochmal machen, Papa.“

[Vater:] „Das hat Mama gemacht.“

[KM:] „Oh. Na, dann muss Mama es nochmal machen.“

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Mit Fleisch.

* Für diejenigen, die unserem Blog nicht regelmäßig folgen: Der große Junge (GJ) lebt mit seiner Mutter (kneteeis) in Hamburg; das große Mädchen (GM) und das kleine Mädchen (KM) leben mit dem kleinen Jungen (KJ), ihrer Mutter (folienstern) und ihrem Vater in Berlin. Alle Projekte, Produkte oder Veranstaltungen, die wir namentlich nennen oder verlinken, erwähnen wir, weil wir sie gut finden; wir erhalten dafür keinerlei materielle Vorteile.

… wie immer gibt es weitere Wochenendblogs mit mehr und weniger Bildern bei Susanne Mierau in ihren Blog ‚Geborgen Wachsen‘.

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